Das Schwerpunktthema Kinderarmut hat den Jugendhilfeausschuss als gemeinsames Gremium von freien Trägern, Politik und Verwaltung beflügelt. Die Mitglieder der Fachausschüsse nutzten in den vergangenen Monaten intensiv die Gelegenheit, ihre Erfahrungen aus der täglichen Arbeit in Diskussionen über eine neue strukturelle und strategische Ausrichtung einzubringen. Seit Jahren berichten Kindertagesstätten, Schulen sowie Kinder- und Jugendhäuser von hungrigen Mädchen und Jungen oder Kindern, die nicht der Witterung angemessen gekleidet sind. Es brennt der sozialen Fachwelt in Frankfurt unter den Nägeln, solchen Folgen von Elternarmut entgegenzuwirken und allen Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen.
In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses wurden die
Berichte und Vorschläge der Fachausschüsse zusammengeführt und
beschlossen. Teilweise mündeten die Ideen direkt in Anträge zum
Haushalt 2009. Teilweise muss recherchiert werden, welche Vorschläge
kurz-, mittel- und langfristig umsetzbar sind und was die
Realisierung kosten würde. So hat die Verwaltung einen ganzen Packen
Hausaufgaben mitgenommen, die bis zur Sitzung des
Jugendhilfeausschusses im Juni 2009 erledigt sein müssen, damit die
Ergebnisse rechtzeitig zu den Beratungen für den Haushalt 2010/2011
vorliegen.
Mindestens ebenso wichtig wie die einzelnen Vorschläge war die große
Zustimmung zum ressortübergreifenden Arbeitsansatz der städtischen
Verwaltung. Im April hatte der Jugendhilfeausschuss die Einrichtung
einer Arbeitsgruppe befürwortet, um das Thema Kinderarmut aus einer
breiteren Perspektive zu betrachten. Dabei stellte sich schnell
heraus, dass wir die Teilhabe- und Entwicklungschancen aller Kinder
und Jugendlichen in unserer Stadt im Blick haben müssen. In seiner
Sitzung am Montag sprach sich der Jugendhilfeausschuss dafür aus,
die Arbeitsgruppe mit dieser Zielsetzung fortzuführen.
Es liegt auf der Hand: Wenn wir die Situation der Kinder weiter
verbessern wollen, müssen wir alle Aspekte von den Betreuungs-,
Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten über das Bewegungsangebot bis
hin zur Wohnsituation einbeziehen. Entsprechend sind in der
Arbeitsgruppe neben den Dezernaten Soziales und Bildung die Ressorts
Gesundheit, Sport, Umwelt, Stadtplanung, Wohnen, Kultur sowie die
Rhein-Main Jobcenter, die Stadtbücherei, das Kinderbüro und das Amt
für multikulturelle Angelegenheiten vertreten. Diese Dezernate,
Ämter und Gesellschaften tragen schon jetzt gemeinsam mit den freien
Trägern dazu bei, Benachteiligung von Kindern durch ihre
Lebensumstände auszugleichen und sie in ihrer Entwicklung zu
fördern. Das entscheidende ist jedoch, dass alle Angebote
miteinander verknüpft und aufeinander abgestimmt werden.
Die Untersuchung bundesweiter Hilfsangebote durch das Deutsche
Jugendinstitut stützt diesen Ansatz. Die Wissenschaftler kamen zu
dem Ergebnis: "Nicht einzelne Modelle für sich können eine gute
Versorgung von Familien mit Unterstützungsangeboten gewährleisten
und den Schutz von Kindern verbessern, dies gelingt nur in einem
umfassenden und differenzierten Netzwerk Frühe Hilfen." Was die
Untersuchung für den ersten Lebensabschnitt aussagt, gilt letztlich
für alle Phasen der Kindheit und Jugend.
Für die Koordinierung der Frühen Hilfen haben wir im Jugend- und
Sozialamt kürzlich ein neues Team geschaffen, das auch das
Kinderschutztelefon bedient, 0800/ 20 10 111. Dort rufen nicht nur
Eltern, Kinder und Nachbarn an, sondern auch Erzieher, Lehrer,
Sozialarbeiter, Hebammen und Ärzte. Sie wollen wissen, wo es
weitergehende Unterstützungsangebote für die Besucher ihrer
Einrichtungen gibt. Das Hilfenetz in der Großstadt Frankfurt ist
einfach zu umfangreich, als dass jeder jedes Angebot kennen könnte.
Neben den Entwicklungen auf der übergeordneten Ebene ist mir der
sozialräumliche Aspekt besonders wichtig. Der Frankfurter
Caritasdirektor Hartmut Fritz, der auch stellvertretender
Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses ist, hat das Thema zu Recht
in der Sitzung angesprochen. Unsere positiven Erfahrungen in den
Quartieren des "Frankfurter Programms - Aktive Nachbarschaft"
bestätigen dies. Dort stehen soziale Einrichtungen, Vereine, Kirchen
und andere Initiativen in engem Kontakt, stimmen sich ab, bündeln
ihre Kräfte und lösen viele Herausforderungen durch gemeinsame
Anstrengungen.
Dort, wo es kein Quartiersmanagement gibt, könnten
Stadtteilkonferenzen die Vernetzung der Institutionen vor Ort
übernehmen. Das Sozialrathaus Bornheim lädt regelmäßig zu
Stadtteilkonferenzen ein. Im Gespräch mit Vertretern von sozialen
Einrichtungen, Stiftungen, Sozialbezirksvorstehern,
Ortsbeiratsmitgliedern, Kinder- und Seniorenbeauftragten lassen sich
viele Dinge klären. Gleichzeitig erfährt die Verwaltung, wo es an
etwas fehlt und kann auf ungünstige Entwicklungen frühzeitig
reagieren.
Bei der jüngsten Stadtteilkonferenz war die zunehmende soziale
Bedeutung des gemeinsamen Mittagstisches ein Thema. Teilnehmer
berichteten, dass es schon Mittagsangebote für Kinder gibt, die aber
längst nicht mehr ausreichen. Dies hat mich noch einmal bestätigt,
wie wichtig es ist, Mittel für den Ausbau der Mittagsversorgung -
besonders unter dem Aspekt des sozialen Miteinanders -
bereitzustellen. Der ressortübergreifende Arbeitsansatz, den der
Jugendhilfeausschuss bestärkt hat, kann in Verbindung mit der
sozialräumlichen Ausrichtung und der guten Kooperation mit freien
Trägern viel für die Kinder und die Familien bewirken. Die
konzentrierte Arbeitsatmosphäre und die Offenheit, die wir im
Jugendhilfeausschuss erlebt haben, machen mich zuversichtlich. Alle
ziehen an einem Strang.